
Stress
Das zu viel Stress krank macht ist allgemein bekannt, aber wie Stress auf direktem Wege krank machen kann ist nur wenigen bewusst. Hierzu habe ich kürzlich einen interessanten Artikel gelesen:
Der Autor, Prof. Abo Toru, ein Immunologe an der japanischen Universität von Niigata erklärt, wie unser Immunsystem durch ständigen Stress belastet wird und es hierdurch zu Störungen wie Auto-Immun-Erkrankungen oder sogar Krebs kommen kann.
Prof. Toru erklärt dies folgendermaßen: Granulozyten, als eine Form von Abwehrzellen, haben Adrenalinrezeptoren an ihrer Oberfläche. Wenn Adrenalin als Folge von Stress ausgeschüttet wird, erhöht sich die Aktivität und Anzahl der Granulozyten. Diese produzieren dann durch ihre Tätigkeit viele Oxidanzien. Diese Stoffe zerstören nachgewiesenermaßen unser Gewebe und können so zu einer Vielzahl von Erkrankungen führen.
Dies ist ein einfacher, sehr einleuchtender Mechanismus. Wenn man genauer darüber nachdenkt, kann also jedes Organ und jedes Körpergewebe an Stress „erkranken".
Dies erklärt auch die Vielzahl von Beschwerden, die durch Stress verursacht bzw. verschlechtert werden können. In den meisten Fällen trifft es dann das Gewebe, das durch vorherige Verletzungen oder Prädisposition schwächer und somit anfälliger ist als andere.
In meiner Praxis treffe ich auf eine Vielzahl von Menschen, die auf eine Überdosis Stress mit den immer gleichen Symptomen reagieren und dies als Indikator für eine Stresserkrankung nehmen können.
Im gleichen Maße wie die Wissenschaft immer mehr nachvollziehbar macht wie Stress sich auswirkt, findet sie zum Glück auch salutogene Faktoren (also solche die der Gesundheit zuträglich sind), mit denen wir dem Stress entgegenwirken können. Denn ob wir wollen oder nicht, wir sind einer immer größeren Zahl von Stressoren ausgesetzt. Die Zahl der Reize, die ein Mensch in einer Großstadt täglich zu verarbeiten hat, ist wahrscheinlich größer, als die, die ein Jäger und Sammler in seinem gesamten Leben erfahren hat.
Der Versuch diesen Belastungen zu entgehen, ist müßig, es sei denn wir entschließen uns für ein Leben als Einsiedler. Die Frage ist also: Was können wir tun, um unser salutogenes Konto aufzupeppen? Auch hier ist mittlerweile klar belegt, dass ausreichende und harmonische Bewegung, gute Ernährung und ein entspanntes soziales Umfeld die wichtigsten Punkte für einen guten Ausgleich sind.
Mourad Bihman


